Die 55. Seite
Dienstag, 24. Juli 2018 0:05
… oder: Das literarische Geburtstagsorakel
Wenn ein Mann ein Jubiläum begeht, das eine Schnapszahl enthält, dann darf er, glaube ich, etwas weniger Nüchternes tun und den Status quo sowie evtl. die nahe Zukunft aus jenen Büchern lesen, die er liebt wie sich selbst.
—Und zwar immer aus einem Absatz auf der gedruckten Seite 55. Zum Deuten der Zufallsbotschaften hat unser Mann dann 52 Wochen Zeit, möglicherweise 55, schließlich ist er nicht mehr der Schnellste.
_____________________
—
Arno Schmidt
„Und überdem hätten die Herrschaftn sich doch wohl waschn dürfn; auch die Zeehne putzn. – Und den Korkn=hintn etwas fester schteckn !“ fügte ich ärgerlich hinzu; denn meinem Herrn Nachbarn flog er ebm, mit gut hörbarem POPP, heraus. (Und er lachte noch, froh der eig‘nen Kraft, rauh & cis=Taunensisch : ‚Wir sind die Nieder=Saxn !‘
KAFF auch Mare Crisium (1960)
***
Olaf Stapledon
Man kam ferner überein, all jene Rundfunkangestellten zu entlassen, die verdächtig waren, mit derart schädlichen Idealen wie dem Pazifismus oder der Freiheit der Meinungsäußerung zu sympathisieren. Darüberhinaus wurden die Soldaten mit der Bewilligung eines staatlichen Mutterschaftszuschusses, der Einführung einer Junggesellensteuer und der regelmäßigen Ausstrahlung militärischer Propaganda beruhigt.
Der Sternenschöpfer (1937)
***
Abteilung: Litterarische Lustbarkeiten, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (7) | Autor: Kay Sokolowsky